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Neues Altarbild für die Annenkirche

Gottesdienst und Gemeindefest am 26. 3. 2017

15.03.2017

In den Motiven werden die großen christlichen und menschlichen Themen auf unmittelbare Art und Weise aktuell.

Themen der Medaillons:
Als vielleicht eindrücklichstes Motiv greift Marlene Dumas das Bild des Gekreuzigten auf. Sie löst ihn vom Kreuz, so dass er wie der Auferstehende zu schweben scheint. So wie sie das Motiv der Kreuzigung ins Hoffnungsvolle wendet, wendet sie auch die Farben: Aus dem blauen Himmel hinter dem Kreuz wird ein strahlendes Gelb und aus dem hellen Korpus wird ein schwarzer Körper. Diese Umkehrung findet auch in einem weiteren Bild des Kreuzes statt. Dabei zeigt es sich weiß vor blauem Grund als Fenster, das in seiner Aussicht auf den Himmel ein Versprechen enthält.

Beim Schiff des Lebens nutzt Dumas ein Motiv, das aus aktuellen Nachrichten bekannt ist. Das überfüllte Flüchtlingsboot scheint bedroht wie der Kahn mit Jesus und seinen Jüngern im Sturm auf dem See Genezareth. Und es ist zugleich nach oben aufgerichtet, wie das Bild der Engelsleiter in der Vision Jakobs. Darin zeigt sich die Verbundenheit Gottes mit den Menschen, wie in dem Regenbogen von Jan Andriesse, der an oberster Stelle steht. Er verweist nicht nur auf die Erlösung, sondern auch auf die Schönheit der Schöpfung und die Verpflichtung, diese zu bewahren.

Bei der Darstellung des Sternenhimmels, der am Anfang der Schöpfungsgeschichte steht, bleibt in der Mitte ein Bereich weiß, weil die Malerin ihn mit ihren Armen nicht erreichen konnte: eine einfache Tatsache von weitreichender Bedeutung. Die Trennung von Licht und Finsternis, aber auch die Endlichkeit der menschlichen Möglichkeiten kann so malerisch gefasst werden.

Besichtigungszeiten:
Das Altarbild kann im Anschluss an die Gottesdienstzeiten, sonntags 12 Uhr und nach Vereinbarung mit dem Pfarramt besichtigt werden (Tel. 0351 4961966).

Hinweise auf Ausstellungen:
Vom 25. März bis 29. April 2017 wird in der Dresdner Galerie Gebr. Lehmann, Görlitzer Straße 16, eine Dokumentation über die Entstehung des Altarbildes geben. Besucherinnen und Besucher erleben die originale Arbeitssituation im Studio Dumas: Die Galerie ist mit Elementen aus Dumas Atelier, Skizzen und einigen wenigen Werken der beiden anderen Künstler Bert Boogaard eingerichtet. Die Eröffnung ist für Samstag, den 25. März, 16:00 Uhr, geplant. www.galerie-gebr-lehmann.de

Im Herbst 2017 werden zwei Ausstellungen mit Werken von Marlene Dumas bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zu sehen sein: im Albertinum Marlene Dumas zusammen mit Bert Boogaard und Jan Andriesse (17.10.2017 bis 14.01.2018) und im Kupferstich-Kabinett Marlene Dumas und Käthe Kollwitz (19.10.2017 bis 14.01.2018). www.skd.museum

Marlene Dumas wurde 1953 in Kapstadt geboren. Sie lebt und arbeitet heute in Amsterdam. Dumas befasst sich in ihrer Malerei mit dem Menschenbild. Ganz aktuell und zugleich zeitlos sind ihre Themen: die Liebe und der Tod, Trauer oder die Suche nach Identität. Für einzelne Gesichter oder Figurengruppen greift sie auf Bildvorlagen zurück, auf eigene Fotografien und gesammeltes Material aus den Medien. Ihre Werke sind weltweit in vielen wichtigen Museen und Sammlungen vertreten. Ihre große Retrospektive The Image as Burden wird 2014 im Amsterdamer Stedelijk Museum, 2015 in der Tate Modern in London und in der Fondation Beyeler, Basel, gezeigt. Die fünf von ihr für das Altarbild der Annenkirche Dresden gemalten Rundbilder sind 2014 bis 2017 entstanden.

Jan Andriesse, der 1950 in Jakarta, Indonesien geboren wurde, lebt und arbeitet in Amsterdam. Seine abstrakt erscheinenden Arbeiten entstehen in der Auseinandersetzung mit dem Licht, seiner Brechung durch Luft und Wasser oder seiner Spiegelung. Andriesse untersucht diese Phänomene nicht nur als Maler, sondern auch wissenschaftlich in Ausstellungen und Filmen. Das Motiv des Regenbogens, sein Beitrag zum Altarbild der Annenkirche, beschäftigt ihn schon seit langem, u.a. in einer Arbeit für das De Pont Museum, Tilburg, und für die Retrospektive seiner Werke, 2003 im Museum Kurhaus Kleve. Marlene Dumas lernt er 1986 kennen, als er aus Nordamerika, wo er 14 Jahre gelebt hatte, nach Amsterdam zurückkehrt.

Bert Boogaard wurde 1952 in Amsterdam geboren. Dort lebt und arbeitet er auch heute. Boogaard hat zunächst 1970 bis 1975 in Alkmaar Maschinenbau und dann 1977 bis 1979 am Künstlerinstitut Ateliers '63 in Haarlem Kunst studiert. Hier lernt er auch Marlene Dumas kennen. In einer Ausstellung 2002 zeigen sie gemeinsame Werke mit Aktdarstellungen von Dumas, die von Boogard mit Kleidern bedeckt wurden. Boogaard leitet seine abstrakten Kompositionen mit ihren Farbfeldern und Liniengeflechten aus alltäglichen Motiven ab, die in einem längeren Prozess zunehmend eigenständig werden. Für das Altarbild der Annenkirche hat er den Lebensbaum entworfen und vor Ort ausgeführt.

Die Dresdner Annenkirche war 1578 der erste protestantische Kirchenneubau nach der Reformation und wurde nach der sächsischen Kurfürstin Anna (1532-1585) benannt. Die neben der Kreuzkirche und der Frauenkirche dritte lutherische Innenstadtkirche wurde während der Bombennacht erheblich beschädigt, blieb aber wie durch ein Wunder stehen. Die außen seit 1769 barocke Kirche wurde in den letzten Jahren umfassend restauriert. Der beeindruckende Innenraum aus der Epoche des Jugendstils braucht zur Vollendung nun noch das große Altarbild.